Offene Liste holt 10% bei GPR-Wahlen, gute Ergebnisse für örtliche PR

Bei den Wahlen zum Gesamtpersonalrat holte die OFFENE LISTE 565 von 5.573 gültig abgegebenen Stimmen, und damit 3 von 27 Sitzen. Damit ist die OFFENE LISTE die drittstärkste Kraft im GPR.

Dieses Ergebnis ist ein Erfolg und Ausdruck eines aktiven Wahlkampfes, der die Unzufriedenheit vieler Kolleg*innen mit den bürokratischen Personalräten unter Führung der ver.di-Liste ansprach. Die offizielle ver.di-Liste verlor demgegenüber 5 Sitze im GPR und hat nur noch 16. Das liegt zum einen daran, dass viele Kolleg*innen die Schnauze voll haben, und zum anderen an internen bürokratischen Streitigkeiten, die zur Spaltung der offiziellen Liste geführt haben.

Dass von 12.072 Wahlberechtigten nur 5.748 zur Wahl gegangen sind (47,6%) zeigt die große Frustration und Hoffnungslosigkeit, die uns im Wahlkampf viel begegnet ist („Es wird sich eh‘ nichts ändern!“). Zudem herrscht auch erstaunlich viel Unwissen: zum Beispiel, dass man auch Wählen darf, wenn man nicht Gewerkschafts-Mitglied ist.

Trotz allem sind die Vertret*innen eines „weiter so!“ zunehmend unter Druck. An einigen Stellen gibt es den starken Verdacht auf Manipulation, insbesondere im Busbereich, wo oppositionelle Listen, wie die OFFENE LISTE, stark sind. Deshalb dauerte die zuerst gestoppte und schließlich doch durchgeführte Auszählung der Stimmen am Donnerstag dort bis tief in die Nacht. Aufgrund der angenommenen Manipulationen haben die Ergebnisse von VBO Süd und VBO Nord (damit indirekt auch der GPR) noch vorläufigen Charakter. Sowieso geben wir natürlich für die Richtigkeit der Informationen keine Gewähr. Maßgeblich sind immer die Aushänge der jeweiligen Wahlvorstände.

Jedenfalls haben wir durch die Wahlen eine bessere Ausgangslage als bisher, um Druck auszuüben und mit Euch, Kolleg*innen, eine Organisierung voranzutreiben, mit der wir die Kräfteverhältnisse zwischen Arbeiter*innen und Management ändern können. Als OFFENE LISTE stehen wir für eine andere Art von Personalratsarbeit, deren Inhalt nicht der Streit um Pöstchen und Freistellungen ist. Unser Motto ist „Veränderung geht nur mit dir!“ Also hilf uns nach dieser Wahl, unsere gemeinsamen Interessen gemeinsam durchzusetzen – innerhalb und außerhalb der Gremien.

Wir veröffentlichen hier die Wahlergebnisse für den GPR. Auch bei den örtlichen Personalräten trat die OFFENE LISTE an und erlangte sehr gute Ergebnisse. Diese werden wir auch so schnell wie möglich veröffentlichen.

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Alle Wahllokale

Wahllokale bei VBO – Süd:

Die Wahlen werden in allen Betriebshöfen durchgeführt.

  • 15.11.2016 von 03:30 – 0:30 Uhr
  • 16.11.2016 von 03:30 – 0:30 Uhr
  • 17.11.2016 von 03:30 – 12:30 Uhr

Die Auszählung findet am Donnerstag den 17.11.2016 um 14:30 Uhr auf dem Betriebshof BRITZ im Sozialraum statt.  Die Auszählung ist öffentlich!

Wahllokale bei VBO – Nord:

Die Wahllokale befinden sich auf den Betriebshöfen Indira-Ghandi-Str., Müllerstr., und Spandau.

  • 15.11.2016 von 04:00 – 18:00 Uhr
  • 16.11.2016 von 04:00 – 18:00 Uhr
  • 17.11. 2016 von 04:00 – 14:00 Uhr

Die Auszählung findet am Donnerstag den 17.11.2016 um 16:00 Uhr auf dem Betriebshof Spandau statt. Die Auszählung ist öffentlich!

Wahllokale bei VBU – Verkehr:

  • U-Bhf Leopoldplatz, unten, Za Dienstraum 4+5
  • U-Bhf Hermannplatz, U8, Za Dienstraum 41
  • U-Bhf Wittenbergplatz, Bstg II, Za Dienstraum 23
  • 15.11. und 16.11., 08:00 – 17:00 Uhr
  • 17.11., 08:00 – 14:00 Uhr

TRIAS, Raum DO 433

  • 15.11. und 16.11., 05:30 – 15:00 Uhr
  • 17.11., 05:30 – 14:00 Uhr

Die Auszählung findet am Donnerstag den 17.11.um 15:30 im TRIAS, Raum DO136 statt. Die Auszählung ist öffentlich!

Wahllokale bei VBS – Verkehr:

Die Wahlen werden auf allen 4 Betriebshöfen durchgeführt.

  • 15. 11. 2016 von 03:30 – 24:00 Uhr
  • 16. 11. 2016 von 00:00 – 24:00 Uhr
  • 17. 11. 2016 von 00:00 – 14:00 Uhr

Die Auszählung findet um 15:30 Uhr auf dem Betriebshof Marzahn im Versammlungsraum im Obergeschoss statt. Die Auszählung ist öffentlich!

Schnappt Euch den Personalrat!

Auch oft das Gefühl, dass die im Personalrat nicht fähig oder willens ist, engagiert Verbesserungen durchzusetzen und Verschlechterungen zurückzuschlagen? Dass die Sorge um ein konfliktfreies Leben mit Posten und Freistellung bedeutender ist, als die Sorgen von uns Arbeiter*innen an der Basis?

Der skandalträchtige Postenkrieg in unserem Personalrat nach den letzten Wahlen war ein Höhepunkt der bürokratischen Dekadenz der Beschäftigtenvertretung bei der BVG.

Jetzt buhlen die verschiedenen Beteiligten dieses Geschachers wieder um unser Vertrauen. „Wir sind die besten Stellvertreter*innen und werden dir dein Leben schön machen, wenn Du uns nur auf den Posten hilfst!“

Die Offene Liste – bestehend aus Mitgliedern verschiedener Gewerkschaften und Unorganisierten –  will hingegen ein Ende der ganzen bürokratischen Stellvertretung – weil sie nur dem Interesse des Managements dient. Wir wollen mit Eurer Hilfe eine umfassende demokratische Kontrolle über die Personalvertretung etablieren.

Um das zu erreichen, müssen vor allem wir Arbeiter*innen aktiv werden. Dem mächtigen Druck von oben müssen wir einen entschlossenen Druck der arbeitenden Basis entgegensetzen. Wir unten erleben die Probleme. Niemand weiß besser, was wir brauchen, als wir selbst.

Der Personalrat hat viele Möglichkeiten, die aktive Beteiligung der Basis zu fördern und Maßnahmen zu ergreifen, um sich aus einer Ehrenloge in ein Instrument der Beschäftigteninteressen zu verwandeln.

Personalversammlungen können eine hervorragende Rolle dabei spielen. Bisher wird nur einmal im Jahr eine Personalversammlung durchgeführt – das ist die gesetzlich vorgeschriebene Mindestanzahl. Und die ist dann (passenderweise in einem Kino) ein ätzender Redemarathon der sogenannten Führungskräfte. Wir fordern häufige und themenbezogene Personal-versammlungen, ohne explizite Einladung der Betriebsführung, damit sie der effektiven Diskussion des Personals dienen!

Auch im Gremium sollen Maßnahmen ergriffen werden, um Bürokratismus einen Riegel vorzuschieben.

Um das Gehacke um Vorstandsposten und unnötige Hierarchien weitestgehend zu verhindern, wollen wir die Erweiterung des Vorstands um alle Personalrats-Mitglieder. Das Amt des Vorsitzenden soll rotieren. Besonders wichtig sind allerdings Maßnahmen, um der Entfremdung der Personalrät*innen von der Basis entgegenzuwirken: Wir wollen, dass die drei dem Personalrat zustehenden Freistellungen aufgeteilt werden – z.B. auf sechs Halbtags-Freistellungen. So wird erstens mehr gewählten Personalvertreter*innen eine intensivere Arbeit ermöglicht. Zweitens wird verhindert, dass die Mandatsträger*innen sich von der Realität der Arbeitenden entfernen und in ihrem sozialen Umgang mehr an die Chefetage gebunden sind, als an uns.

Besonders wichtig ist uns auch, dass der Personalrat aktiv die Diskussion mit der Basis sucht. Das kann unter anderem dadurch gefördert werden, dass ein Teil der PR-Sitzung „auf Strecke“ verlegt wird. Einen entsprechenden Beschluss immerhin hat bereits der Personalrat von VBO-Süd gefällt – unter Einfluss der dortigen Offenen Liste.

Um die Unterwerfung unter das Interesse der Beschäftigten zu unterstreichen, fordern wir alle Personalrät*innen auf, eine Absichtserklärung zu unterschreiben, zurückzutreten, wenn Personalversammlungen per Abstimmung ihren Wunsch nach Neuwahlen ausdrücken. Das alles sind Maßnahmen, die helfen können, den Wind bei der BVG zu drehen. Das wird aber nur passieren, wenn wir uns außerhalb des Personalrats aktivieren.

Ihr habt sicher noch viele andere Ideen, zu vielen verschiedenen Themen. Wir sind die letzten, die behaupten, wir wüssten am besten, was gut für Euch ist. Wir, die Offene(n) Liste(n), bitten Euch nicht um Euer Vertrauen. Wir bitten Euch, mit uns gemeinsam den Personalrat einer weitestgehenden demokratischen Kontrolle einer aktiven Basis zu unterwerfen!

Meckern wir nicht nur. Warten wir nicht auf Erlösung. Lernen wir stattdessen endlich, unser Schicksal selbst zu bestimmen.

Fragen und Antworten zur Personalratswahl

Frage: Wer darf wählen?

Antwort: Wahlberechtigt sind alle Dienstkräfte (alle Mitarbeiter*innen), die am Wahltage des 16. Lebensjahr vollendet haben.

Frage: Wie viele Personalratsmitglieder werden gewählt?

Antwort: Es kommt bei der Zahl der Personalratsmitglieder auf die Zahl der Dienstkräfte an, die in der Dienststelle beschäftigt sind. Die Zahl steht schon im Wahlausschreiben.

Frage: Muss man Gewerkschaftsmitglied sein, um wählen zu dürfen?

Antwort: NEIN! Der Personalrat ist ein gesetzliches Gremium und unterliegt dem Personalvertretungsgesetz (PersVG). Man muss nicht Mitglied einer Gewerkschaft sein, um wählen zu dürfen!

Frage: Wie viele Kreuze darf man machen?

Antwort: Bei Listenwahl darf man nur ein Kreuz machen. Da aber bei der BVG zwei Wahlen (Der örtliche Personalrat und der Gesamtpersonalrat) gleichzeitig stattfinden, darf jede/r zwei Kreuze machen. Ein Kreuz für die örtliche Personalratsliste und ein Kreuz für die Gesamtpersonalratsliste. Mehrere Kreuze für mehrere Listen sind ungültig!

Frage: Wie kann ich wählen, wenn ich während der Wahl Urlaub habe oder krank bin?

Antwort: Du kannst Briefwahl machen. Du musst nur den Wahlvorstand – der sitzt auf jeder Dienststelle – anrufen und die Unterlagen anfordern!

Warum kandidierst du?

Samantha Stieglitz: Ich kandidiere, weil ich etwas bewegen und verändern möchte, innerhalb der BVG. Es gibt viele Baustellen und ich möchte eine helfende Hand sein.

Osman Baseymez: Ich möchte mich für gesunde und humane Dienstpläne stark machen. Wir brauchen gesunde Turnusmodelle, die nicht krankmachen. Die Arbeitsverdichtung ist extrem. Deshalb: Zwei freie Tage nach 6 Arbeitstagen reichen nicht für einen guten Erholungseffekt!

Jens-Peter Paschke: Die Pause ist nicht frei von Arbeit. Ich muss die Ausrüstungsgegenstände mitführen oder wenn die Fahrgäste mich um Auskunft bitten, sie informieren. Deshalb ist ein Pausenabzug nicht gerechtfertigt.

Murat Ögmek: Mein Ziel ist es, dass wir als Neubeschäftigte mit unserem Gehalt keine Existenzängste haben müssen. Der Lohn zwischen Alt- und Neubeschäftigten muss endlich angepasst werden. Wir brauchen auch einen Bestandschutz. Ich möchte mich außerdem für kürzere Dienste aussetzen!

Dustin Dybowski: Ich möchte mich neben Gerechtigkeit und Respekt auch für kürzere Arbeitszeiten einsetzen. Ich finde, 9:20-Stunden-Dienste sind zu lang. Die Dienste haben zu viele unbezahlte Teile. Die Turnusmodelle müssen endlich überarbeitet werden, damit man wieder mehr Freizeit für Familie und Freunde hat und sich erholen kann!

Aimo Belling: Ich möchte für eine andere Vertretungskultur eintreten! Die Personalräte sollen auch vor Ort sein, wenn man sie braucht. So kann man eine bessere Zusammenarbeit organisieren. Solange die gewählten Vertreter*innen nicht unten an der Basis sind, kann auch eine PR-Arbeit nicht gut funktionieren!

Daniel Ollnow: Eine größere Auswahl des Sortiments weckt Neugier auf ein anderes Angebot. Warum sollte man nicht mal was Neues ausprobieren!

Christoph Vetter: Wenn Führungskräfte Fehler machen, werden sie mit satten Prämien/Abfindung oder auch mit besseren Anstellungen/Positionen belohnt. Wenn aber diejenigen, die das Unternehmen aufrecht halten, Fehler machen, werden sie gnadenlos auf die Straße gesetzt. Wer gerechte Rahmenbedingungen will, muss auch dafür KÄMPFEN! Geht nicht, gibt’s nicht – denn geht nicht heißt, will nicht!

Markus Klausch: Wir – die Kandidat*innen der Offenen Liste – möchten versuchen, das Arbeitsleben der Kolleg*innen zu verbessern. Wir haben unsere Ziele im Wahlprogramm festgehalten. Wir werden sie durch weitere Diskussionen ausbauen und werden diese Themen in alle Gremien rein tragen. Wir wollen über diese Ideen auch in unserer Gewerkschaft diskutieren. Weil die Kolleg*innen denken, dass auch wir ver.di sind. Der Unterschied ist, wir tun und arbeiten mehr.

Wolfgang Wendt: Ich arbeite seit 1992 als Busfahrer, kenne viele Linien von meinem Betriebshof, kenne viele Linienumstellungen, kenne viele Baustellen sowie Umleitungen. Ich kenne jedoch auch Zeiten, als der Busfahrer als Mensch gesehen und behandelt wurde. Leider ist dies nicht mehr überall der Fall. Respekt gegenüber jedem ist ein wichtiger Bestandteil im Verhalten aller Kolleg*innen.

Die Zusammensetzung der Liste

Das Verhältnis zwischen Neu- und Altbeschäftigten ändert sich mit den Jahren, weil die Altbeschäftigten altersbedingt ausscheiden. Im Südbereich (Bus) liegt der Anteil von Neubeschäftigten zur Zeit bei 55 Prozent. In den nächsten Jahren wird deren Anteil weiter steigen.

Auch der Frauenanteil steigt. Wir haben in den letzten vier Jahren viele Kolleginnen bekommen. Auch der Anteil von Kolleg*innen mit Migrationshintergrund – vor allem im Fahrdienstbereich – ist gestiegen.

Diese Entwicklung sollte bei der Zusammensetzung der Gremien – wie z.B. der Personalrats-, Gesamtpersonalrats-, und gewerkschaftliche Gremien – und auch bei der Besetzung der Führungsebene berücksichtigt werden, damit ein Zusammenwachsen besser funktioniert.

Bei den Kandidat*innen der Offenen Liste haben wir diese Entwicklung berücksichtigt.

Wir sind vielfältiger geworden. Dies stellt eine große Herausforderung dar. Wir können unterschiedlich sein und dennoch gemeinsam handeln, weil wir vor Ort die gleichen Rahmenbedingungen finden. Die schlechten Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung betreffen uns alle gleichermaßen. Für die Verbesserung der Rahmenbedingungen müssen wir gemeinsam kämpfen, weil wir es nur gemeinsam meistern können.

Deshalb: Egal ob Frau oder Mann, ob alt oder jung, ob Alt- oder Neubeschäftigte/r, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuellen Orientierung – wir wollen diese Vielfältigkeit in Stärke verwandeln! Wir wollen das Miteinander stärken!

Vorwort zur Wahlzeitung

Die Offene Liste bietet eine Plattform für aktive Kolleg*innen, die etwas verändern wollen. Unabhängig von der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft!

Die Arbeitsbedingungen der Kollegen*innen(*) im Betrieb werden Jahr für Jahr schlechter. Die Arbeitsbelastung und der Stress nehmen zu.

Die Opfer für das Erreichen der „Schwarzen Null“ haben die Kolleg*innen erbracht. Der Preis ist sehr hoch! Die Unterschiede in Arbeitszeit, Bezahlung und sozialen Standards zwischen Alt- und Neubeschäftigten stellen eine große Ungerechtigkeit dar. Der Personalmangel im Fahr- und Technikbereich ist sehr groß.

Deshalb sind die Forderungen „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ und „Gleiche Wochenarbeitszeit von 36,5 Stunden für alle“ – natürlich mit vollem Lohn- und Personalausgleich – die wichtigsten Ziele für die Arbeit der Arbeitnehmervertreter*innen, egal in welcher Funktion.

Die Unzufriedenheit unter den Kolleg*innen wächst. Die Erwartungen sind sehr groß, dass die Rahmenbedingungen besser werden!

Diese berechtigten Erwartungen können nur erfüllt werden, wenn die Arbeitnehmervertretungen mit Unterstützung von Kolleg*innen in die Offensive gehen.

Auch die Personalräte haben viele Möglichkeiten, den Arbeitsalltag der Kolleg*innen humaner zu gestalten, wie zum Beispiel durch humane Dienstpläne, mehrere Arbeitsunterbrechungen, Mischarbeit, längere Wende- und Kehrzeiten usw.

Deshalb rufen wir alle Kolleg*innen auf, zur Wahl zu gehen! Jede Kollegin und jeder Kollege kann wählen gehen, egal ob Mitglied einer Gewerkschaft oder nicht!

Wir brauchen nicht nur aktive Kolleg*innen, sondern auch aktive Gremien!

Rede von Erdogan Kaya bei der PVV

erdoganGuten morgen, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Ich heiße Erdogan, bin Busfahrer aus dem Süden.

Ich fang mal mit einem Gedicht an…

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?Und das mehrmals zerstörte Babylon, wer baute es so viele Male auf?
In welchen Häusern des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war, die Maurer?
Das große Rom ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Über wen triumphierten die Cäsaren?
Hatte das vielbesungene Byzanz nur Paläste für seine Bewohner?
Selbst in dem sagenhaften Atlantis brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang, die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein?
Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg.
Wer siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte.
So viele Fragen.

Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen,

Der Vorstand – Frau Nikuta – hat eine positive Bilanz dargelegt. Die Frage lautet: Wer hat den hohen Preis für diese positive Zahlen bezahlt?

Das seid ihr!

Das sind KollegInnen, die draußen fahren!

Das sind die kranken KollegInnen, die auf ihre Genesung warten!

Das sind KollegInnen, die noch für ihre Entfristung zittern!

Wir müssen die Fehlentscheidungen des Vorstandes ausbaden.

Ich möchte zwei Beispiele geben.

Die Fahrzeugverfügbarkeit sinkt! Nicht nur, weil in den Werkstätten Personal fehlt, sondern auch, weil in die Fahrzeugbeschaffung falsch investiert wird. Das beste Beispiel ist der VDL Bus.

Wir sind mit diesem Bus zwei Jahre zur Probe gefahren. Die Kolleg*innen haben viele Sachen an diesem Bus bemängelt. Trotzdem wurden sie bestellt. Sie stinken! Sie sind nicht Großstadt tauglich! Sie verbrauchen viel mehr als sonst. usw. usw.

Die Bestellung wurde gestoppt. Jetzt fehlen uns Fahrzeuge. Wir müssen mit alldem klar kommen, was wir haben!

Was bedeutet das?

Das bedeutet: Kein Fahrzeugwechsel! Alte Fahrzeuge, die nicht mehr taugen, bleiben im Einsatz! Mit den Klapperfahrzeugen müssen wir über die schönen Straßen hin und her fahren. Eine Stunde hin, 4 Minuten Wendezeit, eine Stunde zurück, 6 Minuten Wendezeit… Wissen Sie was das bedeutet? Das ist eine Unverschämtheit, nicht für die Kolleg*innen, sondern auch für unsere Fahrgäste!

Zweites Beispiel:

Personalmangel!!!

Das ist ein Dauerproblem. Dies hat auch der Vorstand erkannt. Die Einstellung wurde zum tatsächlichen Krankenstand angepasst. Dennoch reicht nicht aus die Differenz zwischen Ein- und Abgängen zu schließen. Fluktuation… so nennt man das.

Viele Einsteiger*innen wollen nicht bleiben, weil der Job nicht attraktiv genug ist. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Job attraktiver zu machen. Entweder mehr Lohn oder bessere Arbeitsbedingungen. Beide in unserem Betrieb mangelhaft!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Kolleg*innen fahren in den Werkstätten und im Fahrdienst auf Verschleiß.

Im Frei klingelt das Telefon. Es hört nie auf. Wir haben KollegInnen, die 7/1 fahren. 7 Tage Arbeit und ein Tag frei. Überstunden über Überstunden…

Das macht die Kolleg*innen krank. Wie hoch ist der Krankenstand im gesamten Fahrdienst? Wie hoch ist der Krankenstand in den Werkstätten? 10 Prozent? 15 Prozent? 20 Prozent? Oder mehr?

Das kann auf Dauer nicht gut gehen!

Ich möchte nicht in die Länge ziehen. Sie wissen auch wo der Schuh drückt!

Reden Sie nicht, sondern handeln Sie!

Wir wissen, dass bestimmte Dinge eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Wir können nicht schnell 100 bis 200 Busse bestellen.

Der Personalmangel kann nicht schnell abgedeckt werden!

Dennoch, Sie können eine einzige Tat ohne abzuwarten, vollbringen! Mit dieser Tat, kurz vor Weihnachten, könnten Sie mansche KollegInnen, die zitternd auf ihre Entfristung warten, vorzeitig entfristen.

Das kostet Sie nicht! Das wäre eine gute Tat!

Oder was meint ihr Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen?

Danke für ihre Aufmerksamkeit!

Interview mit Vertretern der Offenen Liste

mit Erdoğan Kaya, Busfahrer, und Torsten Merl, Busfahrer

Könnt ihr einen kurzen Abriss geben, wie die letzte Legislaturperiode war?

erdoganErdogan: Wir sind vor vier Jahren mit zwei Listen­vertretern in den Personalrat der Dienststelle Süd und mit zwei Listenvertretern in den Gesamtpersonalrat gewählt worden. Die Prozesse der Veränderungen im Betrieb laufen zu langsam. Kleine Schritte vorwärts erfordern große Anstrengungen! Wir haben versucht, die Prozesse mitzu­gestalten und zu beschleunigen. In vielen Fragen wie Befristung, mehr Personal im Fahrdienst, bessere soziale Einrichtungen, bessere Arbeitsbedingungen für den Fahrdienst sind kleine positive Schritte gemacht worden.

torstenTorsten: Nach unserer „Rote Karte“-Aktion zur Personal­versammlung im Herbst 2013 sowie dem ständigen Drängen der Gremien ist die Befristungspraxis ab dem 01.01.2016 im Fahrdienst für zwei Jahre ausgesetzt worden. In allen anderen Bereichen wird dieses Instrument weiter eingesetzt. Die Kolleg*innen, die vor diesem Stichtag eingestellt wurden, erfahren die bisherige Praxis von zwei Jahren Befristung in vollem Umfang.

Bei der Einstellung neuer Kolleg*innen wurde der tatsächliche Krankenstand berücksichtigt. Dennoch sind die Einstellungsprozesse extrem lang. Somit ist es schwer, die offenen Stellen zu besetzen.

Die sozialen Einrichtungen wurden teilweise modernisiert. Hier haben wir uns mehr versprochen.

Die besseren Rahmenbedingungen im Fahrdienst müssen dauerhaft umgesetzt werden und nicht nur projektbezogen!

Warum sind diese Prozesse so langsam?

Torsten: Das hängt viel von der Zusammensetzung der Gremien ab. Das Wort Konfliktorientierung ist vielen Gremiums­mitgliedern nicht geläufig. So sind auch einige nicht willens, bei bestimmten Forderungen mehr Druck auf den Vorstand der BVG auszuüben. Ergebnis ist, dass der Arbeitgeber oft auf Zeit spielen kann. Es vergehen mehrere Monate, bis wir zu einer Einigung kommen.

Welche Alternative könnt ihr denn anbieten?

Erdogan: Wir müssen endlich begreifen, dass wir die Einbindung der Kolleg*innen in die Prozesse gewährleisten müssen. Wir müssen auf die Kolleg*innen zugehen. Nur so können wir es schaffen, die aktive Basis zu vergrößern. Wir müssen das Stellvertreterdenken zurückdrängen, um das Vertrauen wieder herzustellen. Das WIR-Denken muss in vollem Umfang in die Belegschaft hineingetragen werden. Zum Beispiel in Form von gemeinsamen Veranstaltungen, Diskussionen und Aktionen. So ist es möglich, die Kolleg*innen für die eigene Sache zu gewinnen und zu begeistern.

Torsten: Deshalb brauchen wir aktive Kolleg*innen in den Gremien, die sich frei äußern können. Die Lust, Interesse und Ideen haben, sowie Überzeugungskraft besitzen. Nur gemeinsam können wir mehr Druck erzeugen. Deshalb heißt unsere Losung für die Wahl: „Veränderung nur mit DIR!“